Die Nahe von der Quelle zur Mündung

Bereits bei der Anreise zum Naheradweg hatte ich das Gefühl, dass ich zum Ende der Welt reise und dass ich die Einzige bin, die das tut.

Für jemanden, der im Rhein-Main Gebiet wohnt, ist das morgens um halb neun ein völlig unvorstellbarer Anblick. Sollte ich mir Gedanken machen?

Die Nahequelle entpuppte sich dann als durchaus netter Platz oberhalb des kleinen Ortes Selbach im Hunsrück.

Ich möchte dem Fluss bis zu seiner Mündung in den Rhein bei Bingen folgen.

Die erste Station ist der Bostalsee in der Morgenstille. Ein friedlicher Ort und das Ende der Welt scheint hier auch nicht zu sein. Immerhin gibt es einen Center Park und ein Luxus Spa Hotel.


Nohfelden präsentiert sich mit einer Burg, genauer gesagt ist es nur ein Burgfried. Aber eigentlich gibt es zwei, einen Alten und einen Neuen. Ob man so kreativ die Vergangenheit mit der Gegenwart zusammenführen muss, kann man sicher diskutieren. Ich finde, es gibt Schöneres.

Witzig finde ich aber die Idee des Bücherbaums.

Den Burgfried kann man besichtigen. Mein Drang, jeden besteigbaren Turm auch zu besteigen, ist legendär und verführt meine Familie immer wieder zu Lästereien. Aber ich finde, von oben ist es eben auch schön. Doppelt schön ist hier, dass ich ganz allein als Burgfräulein von „meinem“ Turm in mein Reich schaue.

Hinter Nohfelden schlängelt sich der Radweg unerwartet anspruchsvoll an den immer steiler werdenden Hängen der Nahe entlang. Es ist ein stetiges Auf und Ab auf teils unbefestigten Schotterwegen und immer im Wald. Menschen begegnen mir kaum. Es ist nun doch ein bisschen das Ende der Welt.


Die Nahe ist schon zu einem kleinen Fluss angewachsen:

Der Ort Birkenfeld bietet nicht ein einziges wenigstens ein bisschen nettes Fotomotiv. Und während ich so über die strukturschwache Gegend und die vergessenen Orte hier sinniere, entgeht mir beinahe ein kulturelles Highlight mitten im Wald.

Der Sirona-Weg. Was es nicht alles gibt! Sirona ist eine gallisch-römische Heilsgöttin und sie führt durch den Hunsrück zu solch umwerfenden Sehenswürdigkeiten wie dieser Straße, ein Zubringer zu den großen Römerstraßen im Rheintal. Watt isset toll 😉

Einen Sirona-Pavillion gibt es auch noch.
Kurz vor Idar-Oberstein lasse ich mich dazu hinreißen, auf die Frauenburg zu radeln. Wie ich aus leidvoller Erfahrung weiß, liegen Burgen immer oben, manchmal auch weit oben. Auf der Frauenburg bin ich wieder die einzige Besucherin, obwohl es da wirklich schön ist und steil war’s auch nur wenig.

Danach kommt noch ein bisschen Landschaft, bis es abenteuerlich steil nach Idar-Oberstein hinab geht.



Die Stadt lebt von ihrer Felsenkirche und ihrer Burg, aber auch nur davon.

Von besseren Zeiten als Edelsteinstadt zeugen nur noch Graffitis.
Fast jedes zweite Geschäft steht leer, der Ort ist ab 20 Uhr wie ausgestorben und die Gastronomie hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Kein Massentourismus, noch nicht mal Minimaltourismus.
Und ob die wenigen, die kommen damit nicht vielleicht veräppelt werden?
Das scheint mir doch mehr Glas aus China zu sein. So wird das wahrscheinlich nix mit dem Aufschwung, am Ende der Welt.

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