von Wertheim nach Creglingen

„Das liebliche Taubertal“ heißt der Radweg, der von Wertheim aus in Richtung Süden nach Rothenburg ob der Tauber verläuft und es ist angeblich einer der schönsten Radwege Deutschlands. Ich bin ja immer vorsichtig mit solchen Superlativen, denn wer kennt schon alle Radwege Deutschlands und kann das beurteilen? Und was ist schön? Also, schau mer mal, wie die Fränkin sagt.

Schön sind schon mal die Ruhe am frühen Morgen, der Zustand des Radwegs (erreicht schon fast südtiroler Qualität) und die Beschilderung. Und lieblich ist das Tal eigentlich auch.
Besonders freue ich mich darüber, dass hier Bier wächst.

…und sogar die Strömhäuschen sind lieblich. Das ist wirklich Radeln vom Feinsten.

Die erste größere Stadt ist Tauberbischofsheim. Dort findet man am Brunnen am Schlossplatz „Die Madonna auf der Mondsichel“, ein Werk von Tilman Riemenschneider, leider eine Nachbildung. Das Original ist in Berlin im Museum,

Auf dem Platz vor dem Rathaus werden Radler massiert. Das ist ja klasse. Nix wie hin. Das ist aber nicht für alle….oh nee.  Ein australischer Luxus Rennradreiseveranstalter hat hier ein Etappenziel bei der großen Europa Abenteuertour von Paris nach St. Petersburg. Und wie die alle aussehen! Cool! Kein Gramm Fett! Und fettglänzend nach der Massage. Das stelle ich mir so vor, wie wenn wir Deutschen  in Amerika die Route 66 mit einer Harley buchen. Macht 15.000 Dollar für 2 Wochen und ist „cool and adventure“.

In Lauda Königshofen leben künstlerisch veranlagte Menschen, Eine ganze Straße voller Schirmchen und Vögel. Wirklich nett. Lieblich eben.

Bad Mergentheim präsentiert sich mondän mit einem großen Kurpark und einem Schloss und einer Innenstadt wie sie bei einer Kurstadt zu sein hat: viele Cafes, Eisdielen, Biergärten, Nippesgeschäfte und Restaurants. Sie haben ein Schild aufgestellt „Radfahren ist gesund, aber bitte nicht hier im Park“. So gesund ist es dann auch wieder nicht.

Der Radweg rund um Bad Mergentheim ist auch nicht mehr so bemerkenswert. Ein Radweg halt. Umso glücklicher bin ich, dass es südlich der Stadt wieder richtig lieblich wird.

Ein perfektes Plätzchen für eine Mittagspause ist schnell gefunden.


Gut, dass ich da nicht so lange gelegen habe, denn das Beste kam, für mich völlig überraschend, zum Schluss. Das Schloss von Weikersheim, genauer gesagt der Schlossgarten. Wunderschön bei perfektem Wetter. Und keine Touristenmassen! Einfach hinfahren, ein nettes Schwätzchen mit der freundlichen Dame am Eingang halten, reingehen und genießen.

Im Schlosshof finden gerade Proben zu Puccinis „La Boheme“ statt und ein junger Tenor schmettert Rodolfo Arien und Mimi siecht hingebungsvoll dahin. Zum Weinen schön.

In Creglingen zweigt vom Taubertal das Herrgottstal ab. Dort fließt der Herrgottsbach und ein paar Kilometer taleinwärts befindet sich die Herrgottskirche. Ein Ort wo sich angeblich Himmel und Erde berühren. Sie ist eine von vielen „Radwegekirchen“. Die sind verlässlich geöffnet und garantieren den Radlern einen Platz der Ruhe und Einkehr.

In der Herrgottskirche verbirgt sich aber ein ganz besonderes Kunstwerk. Angesichts des 9,2 Meter hohen Marienalters von Tilmann Riemenschneider ist man wirklich überwältigt.

Im Chor kann man ein überdimensionales Wandgemälde des heiligen Christophorus, des Schutzheiligen der Wallfahrer aus dem 16. Jahrhundert bestaunen. Wirklich sehenswert. Die nette Dame an der Kasse erzählt mir, dass hier früher jährlich 200 000 Besucher waren. Jetzt sind es noch 35 000, weil niemand mehr Tilmann Riemenschneider kennt. Sehr schade.

Natürlich wohne ich in der Pension „Herrgottstal“ und so kann eigentlich heute nix mehr schief gehen.

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