von Obernberg nach Passau

der Durchbruch und die Unvernunft
obernberg_passau
Der letzte Teil des Innradweges beginnt auf dem Inndamm in Niederbayern. Immer gerade aus. Postkartengleich präsentiert sich gegenüber das Kloster Suben in Österreich.imag08931Eine Umleitung führt später kreuz und quer durch bäuerliches Land. Den richtigen Weg kann man nur erahnen. Schilder sind Glücksache. Verhungern muss ich hier aber sicher nicht.dsc_11093dsc_1092So bin ich auf jeden Fall satt, wenn ich demnächst erfriere.
Watt isset kalt! Und windig (natürlich von vorne)!
Irgendwann bin ich wieder am Inn und genieße einen ersten Blick auf Schärding.dsc_11089Mir begegnet kaum jemand. Kein Wunder bei der Kälte. Die Idylle ist wie ausgestorben. Beim Schloss Vornbach unmittelbar vor dem Inndurchbruch kommt mir doch eine Frau mit einer Kamera freundlich lächelnd entgegen. dsc_11148Was für ein erfreulicher, warmherziger Anblick. Ich spreche sie natürlich an und erzähle was von so schöner Gegend und so ruhig und einsam und ein bisschen kalt und tolles Fotomotiv und so viel Kultur und der schöne Inn und was man eben so sagt….
Sie :“Nix deutsch“
Ich:“ Bayrisch???“
Sie:“Niet, niet…Russki“
Ok, also auch hier….kommunikationslos radle ich weiter und bekomme doch noch gute Wünsche, sogar in meiner Muttersprache. Leider nur auf einem Schild. Doof ist auch, dass ich gar nicht heim will.dsc_11095 Das ist ein bisschen wie WhatsApp-Rudimentär-Kommunikation. Fremdgetextete Bildchen mit Sinnsprüchen oder unpersönlichen Standardwünschen werden verschickt. Geht schnell, kostet nix, schon gar keine Mühe, schadet nix, nutzt aber auch nix. Ein Gemeinplatz hier, eine Worthülse dort und schon geht es weiter…zu Facebook, Instagram Twitter und Pinterest oder eben hoam.
Für mich geht es nun in ständigem Auf und Ab weiter durch den Herbstwald am Inndurchbruch bei Vornbach. dsc_11098dsc_11099Unter mir fließt smaragdgrün und träge der Fluss.dsc_11108In Neuburg wechsle ich auf die österreichische Seite und bewundere die Mariensäule von Wernstein und den Blick auf Schloss Neuburg.dsc_11119Von hier aus geht’s geradewegs nach Passau. Als ich dort auf die Brücke in Richtung Altstadt einbiege, wird mir schlagartig klar, warum ich Kälte und Wind ausgehalten habe.dsc_11124 Watt isset so schön!
Die historische Macht der Kirche ist in Passau immer präsent.dsc_11133Die Stadt lädt zum Bummeln ein. Viele kleine individuelle Lädchen statt genormter Verkaufsketten, überall Cafes und Schmankerlstuben.dsc_11130Sogar mit Lammfell für durchgefrorene Radler.dsc_11131dsc_11143Mich aber  zieht es zur Innmündung. dsc_11137Ein bisschen Wehmut macht sich breit. So viele Kilometer hat mich der Fluss begleitet, so viele seiner verschiedenen Gesichter hat er mir gezeigt. Mal reißend, mal träge. Grau, grün, blau, braun. Mal fröhlich plätschernd, mal in langsamer Gelassenheit, mal eine schwerfällige, wuchtige Masse. Es war heiß und schwül, kalt und windig, es war sonnig und regnerisch und er war immer da und hat mir Zeit geschenkt und mir so viele schöne Stunden beschert. Hier verliert er seinen Namen und seine Identität und ergießt sich in etwas Anderes und irgendwann ins große Ganze.
Es fällt mir schwer, los zulassen und ich fahre mit dem Fahrrad am Fluss zurück anstatt mit der Bahn, was vernünftig wäre. Es ist so oft die Unvernunft, die das Leben spannend und aufregend macht. Der Weg ist weit.  Auf österreichischer Seite erreiche ich Schärding.
Hier treffe ich auf den typischen Baustil des österreichischen Innviertels in Reinkultur. Bunte, schnuckelige Häuser prägen die Stadt. Und es sind nicht 5  für Touristen Herausgeputzte, die gewinnbringend vermarktet werden. Nein, der ganze Ort sieht so aus. Ich bin begeistert. Diese Häuserfront heißt Silberzeile.
Watt isset so schön!dsc_11152dsc_11153Natürlich gibt es auch eine Burg und Lamas, also alles, was man am unteren Inn landläufig erwartet. dsc_11160Das alles wäre noch viel schöner, hätte ich nicht kurz vor Schärding auf dem Radweg eiskalt geduscht.
Watt isset so nass und kalt!
Aber so ein Weg liefert ja nicht nur Kilometer, sondern immer wieder auch Erklärungen, Einsichten und Motivation. dsc_11162Aha! So hatte ich das noch gar nicht gesehen. Hier leben kluge Menschen. Natürlich will ich Glück! Also Augen zu und durch.
Der Tag geht bald zu Ende und es ist noch immer ziemlich weit. Ich kann mich von der Stimmung am Fluss nicht losreißen und trödle vor mich hin, wohl wissend, dass ich den Rückweg wahrscheinlich nicht mehr bei Tageslicht schaffen werde. Meine Fahrradbeleuchtung liegt im Hotelzimmer……..
dsc_11179Und dann passiert es!
dsc_11186Der Himmel und „mein“ Fluss brennen ein Feuerwerk ab und ich bilde mir ein, sie tun es extra für mich. Meine Überwindungsprämie!dsc_11204 dsc_11201dsc_11219Solche magischen Momente schenkt einem die Unvernunft.
dsc_111216Wenn ich den Kopf nach links neige, sehe  ich ein Herz.

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