von Rosenheim nach Wasserburg am Inn

Déjà-vu und Rokoko

wasserburgAm Beginn dieser Tour stehe ich wieder da, wo ich bei der Alpenüberquerung dem Inn das erste Mal begegnet  bin, nämlich dort wo die Mangfall in den Inn mündet.dsc_11387 Es ist ein eigenartiges Déjà-vu. Ist doch jetzt der Plan ein völlig anderer, die Temperatur 20 Grad niedriger und auch ich habe mich verändert. Die Spannung vor der Alpenüberquerung hat sich aufgelöst und umgewandelt in eine großartige Erinnerung. Alle Erlebnisse und die damit verbundenen Erfahrungen prägen, formen,  verändern und bereichern einen Menschen. Man sagt ja nicht umsonst „Ich bin um eine Erfahrung reicher.“ Manchmal sind es nur Feinjustierungen, manchmal sehr nachhaltige Einsichten, die weitreichende Konsequenzen haben.
Ich biege nun hier nach links statt nach rechts ab und fahre weiter nach Norden. Was wäre es so toll, wenn man im richtigen Leben 2 Mal an der gleichen Stelle stehen und einfach anders abbiegen könnte! Hier geht es. Eigentlich hatte ich auf den Föhn gehofft mit der üblichen Lücke in den Wolken. Sie ist auch da, aber nicht dort wo ich sie mir gewünscht habe. Trotzdem gefällt mir die Stimmung.dsc_11402Der Radweg verläuft am Inn oder an Seitenarmen völlig unspektakulär. Die Enten sind laut und zahlreich.dsc_11399Wenn man zu Hause zu den Enten an der Kinzig oder am Main geht, kommen sie sofort angepaddelt und freuen sich auf Futter. Hier passiert enttäuschenderweise das:dsc_11404Ich ahne warum:dsc_11490Das findet natürlich ohne mich statt. Wie kann man nur!
Um diesen doch recht eintönigen Abschnitt des Radweges ein bisschen attraktiver zu gestalten, entschließe ich mich zu einem Abstecher nach Rott am Inn und der dortigen Rokokokirche. Die Familie von Franz Josef Strauss ist dort bestattet, was mich weniger oder besser gesagt eigentlich gar nicht interessiert. Nachdem ich aber neulich hier an einer Hauswand diese Kreation gelesen und für wahr erachtet habe, denke ich, die Kirche muss sein.dsc_11563 Hier gibt es überall Kirchen und sie stehen immer ganz oben auf dem manchmal einzigen vorhandenen Hügel.dsc_11424Ist ja logisch. Man will eben Gott nahe sein und alle sollen hinauf schauen. Ich glaube aber, es gibt noch einen viel profaneren Grund. Bei jeder Kirche ist ein Kloster. Und wenn es dort schon keinen Alkohol, keine Zigaretten und das Zölibat gibt, möchte man zumindest schön wohnen. Alle Klöster liegen landschaftlich traumhaft schön, gerne mit Aussicht von oben herab. Das ist auf der ganzen Welt so. So auch in Rott und ich hechle den Hügel hinauf.dsc_11412Rott am Inn war lange Zeit Sitz des sehr reichen Benediktinerordens. Zeitweise umfasste der Besitz 65 Güter bis zur unteren Donau und war das geistige Zentrum Altbayerns. Heute steht nur noch die Kirche, die von 1991 bis 2002 aufwändig nach Originalvorlagen restauriert wurde.dsc_11411 Beim Betreten der Kirche, die ursprünglich im Jahr 1763 errichtet wurde bin ich überwältigt von dem Prunk.dsc_11419Natürlich gibt es nebenan auch das typische Wirtshaus, wieder in Gelb. Das scheint die Kirchenwirtshausfarbe zu sein.dsc_11422Hinter Rott wird es wirklich extrem ländlich und allereinsamst. Wenn hier der Bauer Frau sucht, muss er lange laufen.dsc_11432In stetigem Auf und Ab  geht es am Kloster Attel vorbei. Hier wohnt man auch schön.dsc_11428Kurz vor Wasserburg führt dann der Radweg mitten durch die großzügige Anlage einer Klinik für forensische Psychiatrie. Die Patienten flanieren gerade im Park und genießen die Föhn-Wärme und ich trete ein bisschen schneller. Kurz denke ich darüber nach, ob ich mich für diese Diskriminierung schämen muss und schon bin ich in Wasserburg.dsc_11374

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