von Sommerhausen nach Hause

Sommerhausen at its best! Beim Frühstück führe ich ein langes Gespräch mit der Wirtin über Alleinreisen und über die fränkische Gastronomie in Nach-Corona Zeiten. Gäste kommen, Personal fehlt, die Einstellung hat sich geändert und einige Betriebe gibt es einfach nicht mehr. Andere machen erst mal Urlaub, was für Kopfschütteln sorgt. Wirklich aufschlussreich. Das verzögert die Abfahrt, aber eigentlich will ich ja sowieso nicht weg.

Trödeln wäre aber an diesem Morgen unklug, denn die Stimmung am Fluss ist jetzt besonders schön. Das Wasser ist noch ruhig und die Tiere haben sich noch nicht zurückgezogen. Der Blick auf Winterhausen gegenüber von Sommerhausen ist wieder ganz toll.

Es ist ruhig und friedlich, alle Entgegenkommenden grüßen noch und der Radweg könnte nicht schöner sein. Zufrieden rolle ich vor mich hin.

Vor Würzburg fährt man lange durch einen ausgedehnten Landschaftspark und dann tut sich links plötzlich ein völlig unwirklicher Anblick auf.

Die Festung Marienberg erhebt sich hoch über Würzburg und spiegelt sich bei feinstem Licht im Main. Ich bin sowieso ein großer Fan von Spiegelungen im Wasser, weil dann alles doppelt schön ist, aber das hier ist schon etwas ganz Besonderes. Ich setze mich auf eine Bank, genieße und beschließe, irgendwann einmal dort hinauf zu radeln. „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ ist das Fazit des Tages.

In Würzburg war ich natürlich schon oft und es zieht mich immer wieder zur Residenz, um dort wenigstens einen kleinen Rundgang durch den Hofgarten zu machen. Immer wieder entdecke ich etwas Neues.

Jetzt zur Rosenblüte ist es hier besonders schön.

Zur Zeit meines Zuckertiefs kommt wie von Zauberhand das Eiscafe Venezia in Karlstadt vorbei.

Entspannt radle ich auf einem Premium-Radweg weiter bis nach Gemünden, wo ich die Fränkische Saale überquere und wo sich der Kreis dieser Tour schließt.

Weiter geht es nach Lohr und dann über bekanntes Terrain auf dem Spessart-Kahltal Radweg (hier klicken) nach Hause. Das 9 -Euro-Ticket und volle Züge auf der Rennstrecke von Frankfurt nach Würzburg und Bamberg zwingen mich, durch den Spessart zu strampeln, und das ist gut so. Es ist wunderschön und der Espresso in der Kaffeerösterei im Kahltal und das Eis gegenüber schmecken wieder mal besonders lecker.

Meine Jubiläumstour geht natürlich nicht ohne eine Belohnung in Lohr zu Ende, in dem Fall mit meinem fränkischen Lieblingsschmankerl in besonders toller Ausführung und Größe. Allein deshalb komme ich sicher ganz bald und sehr gerne wieder nach Franken. Wahrscheinlich entsteht jetzt der Eindruck, ich sei ein bisschen verfressen und so ist es tatsächlich. Schön war’s!

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von Ebern nach Sommerhausen

Es gibt auch solche Tage:
Ich stehe am Sonntag um 08:45 Uhr allein auf dem Marktplatz von Ebern und schieße vor der Abfahrt noch ein Foto.

Genauer gesagt, wähne ich mich allein, denn ein Herr meines Alters spricht mich plötzlich von rechts hinten (man könnte auch sagen von rechts außen) an. Ungefragt textet er mir seine Weltuntergangsphantasien aufs Ohr. ER kennt alles von Hanau bis Shanghai und weiß einfach Bescheid. Jetzt wäre der Moment gekommen, um Ebern zu verlassen. Ich verpasse ihn, wahrscheinlich aus Höflichkeit. Er erklärt mir, dass er ja ein sehr spontaner Mensch sei, Frauen da aber manchmal anders ticken. Hääääh? Und, schwups, lädt er mich zum Frühschoppen um 11 in einen Biergarten ein. Diesmal verpasse ich den Moment nicht und, schwups, bin ich weg. Allein die Vorstellung, dieses Geschwurbel biergetränkt und mit dem Anblick einer fettigen Schweinshaxe in matschigem Sauerkraut aushalten zu müssen, löst einen spontanen Fluchtreflex aus.
So radle ich gen Süden immer an der Grenze zwischen Bierfranken im Osten und Weinfranken im Westen entlang. Es gibt sogar einen Bierradweg, über den ich neulich bei einer Veranstaltung des ADFC einen ganz leidenschaftlichen Vortrag gehört habe, in dem es ziemlich wenig um Radfahren ging. Ich tendiere jedenfalls mehr zum Westen.

Nach einer längeren, verworrenen Fahrt durch Industriegebiete erreiche ich Bamberg. Ich ahne nichts Gutes. Sonntag, Kaiserwetter, 9-Euro Ticket und wieder aufgenommene Schiffs- und Busreisen sind eine unheilvolle Kombination. Die Stadt ist völlig überfüllt. Überall wird man darauf hingewiesen, was man nicht darf. Keine Fahrräder abstellen, nicht Sitzen mit einem Eis aus der Waffel, nicht Anlehnen. Das Einzige, was man anscheinend darf, ist für teures Geld billiges Fleisch in einem der Lokale verzehren. Es ist 11 Uhr und alle trinken Bier. Es ist heiß. In mir regt sich Widerwillen. Ich werfe wenigstens noch einen Blick auf „klein Venedig“.

und verweile einen Moment in der Altstadt, um mich davon zu überzeugen, dass ich ein anders Mal wiederkommen will.

Als ich mir an der Fahrradtasche noch die Hand derartig quetsche, dass innerhalb von Sekunden eine riesige Beule entsteht und sie jetzt in allen Schattierungen von Dunkelblau schimmert, ist es genug und ich schwinge mich auf mein Fahrrad.

Leider unterschätze ich das Bamberger Fahrradnetz. Gesperrte Radwege ohne passende Ausschilderung lassen mich durch Industriegebiete und den Hafen irrlichtern. Ich treffe einen einheimischen Herren und wir irren und schimpfen einige Kilometer gemeinsam. Es ist heiß! Irgendwann bin ich auf dem richtigen Weg und mein Tacho zeigt statt der geplanten 35 km bereits 50 an. Ab hier gibt es keine Fotos mehr. Fotografieren hat etwas mit Begeisterung für das Gesehene zu tun, die mir gerade völlig abhanden kommt. Die Strecke verläuft oft auf oder neben der Straße, durch Orte und neben der Bahn. Anhalten, rauf auf den Bordstein, wieder runter ist mit Gepäck wirklich anstrengend. Der Main ist kaum zu sehen, die wenigen Biergärten sind brechend voll. Es ist heiß und der Wind kommt jetzt mit 15 Knoten von vorne. Es ist als ob man gegen einen Föhn antritt. Meine Motivation erreicht Werte von minus 11 auf der 10-teiligen Negativskala. Nach 108 km komme ich in Schweinfurt an und will nur noch essen und schlafen.

Als Buddhistin glaube ich ja an Wiedergeburt und zwar nicht nur nach dem Tod, sondern auch sonst, eigentlich in jedem Moment, auf jeden Fall aber an jedem Morgen, so wie in dem wunderbaren Film „Und ewig grüßt das Murmeltier“. So auch in Schweinfurt am nächsten Tag. Der Radweg nähert sich meinen Wünschen und Vorstellungen wieder an, zumindest streckenweise und der Wind kommt jetzt von hinten, zumindest streckenweise.

Ich radle jetzt durch Weinberge der Mainschleife entgegen und meine Laune steigt minütlich.

Volkach ist wirklich ein hübsches Städtchen. Schöne Erinnerungen an einen Besuch vor beinahe 2 Jahrzehnten gehen mir durch den Kopf. Meine Lebenserfahrung haut auch gleich eine wichtige Erkenntnis raus: „Erinnerungen sind Juwelen, die dir niemand stehlen kann“. Yes!

Der Wein und der Main – das ist in Volkach eine Liebesgeschichte, die schon sehr lange und sehr gut harmoniert und herrliche Früchte trägt. Rund ein Viertel der fränkischen Rebflächen werden an der Mainschleife bewirtschaftet, die damit das größte zusammenhängende Weinanbaugebiet Frankens ist. Einige der besten Winzer Deutschlands und der Welt sind hier zu Hause. Sogar die wenige Kilometer entfernte Wallfahrtskirche heißt Maria im Weingarten und befindet sich mitten im Weinberg.

Der Biergarten mutiert zum Weingarten und man darf auch wieder was, statt dass alles verboten ist.

Viele Radausflügler genießen das schöne Wetter in der Mainschleife, aber es ist alles viel entspannter als in Bamberg.

Schon von Weitem erkennt man die Türme der Abtei Münsterschwarzach. Das Missionsbenediktinerkloster wurde bereits 788 gegründet. Die hohen Türme der Kirche sollen die Verbundenheit mit den Menschen und Allgegenwärtigkeit der Botschaft Jesu symbolisieren. Jemand, der diese Aufgabe besonders erfolgreich und modern wahrnimmt ist Anselm Grün, der hier lebt und arbeitet. In unzähligen Büchern und bei Veranstaltungen holt er die Menschen dort ab, wo sie sind und nimmt sie als spiritueller Begleiter ein bisschen an die Hand. So sollte Kirche eigentlich immer sein.

Mich beeindrucken besonders die großen und modernen Gästehäuser und Seminargebäude. Hier wurde wirklich etwas geschaffen, das die Menschen mit der Kirche und dem Glauben in direkten Kontakt kommen lässt. Es ist eine Oase der inneren Einkehr und Ruhe. Vom Kloster ist es nicht weit nach Kitzingen, das sich auch sehr malerisch präsentiert.

Wer mehr weltliche Ruhe sucht, legt sich einfach auf einen der Liegestühle.

Für innere Ruhe der Radler sorgt ein perfekt ausgeschilderter und liebevoll gepflegter Radweg hinaus aus der Stadt.

Ja, Bamberg, so geht das!

Ich lege noch einer kurzen Stopp in Marktbreit ein, in dem es sehr ruhig aber nicht weniger malerisch zugeht.

Nun radle ich auf bekannten Wegen zu meinem Sehnsuchtsziel Sommerhausen. Im vergangenen Jahr hat es mir so gut gefallen, dass ich gerne wieder herkomme, nachzulesen hier.

Es ist Montag und viele Restaurants sind geschlossen und da ist es wieder, das Problem: für Einzelreisende ist kein Platz. Da aber Corona kein Thema mehr ist, darf ich mich bei einem Ehepaar dazu setzen und der Abend wird mehr als gelungen. Leckeres fränkisches Essen, bester Frankenwein und nach kurzer Zeit stellen die beiden und ich fest, dass wir gemeinsame Freunde und Bekannte haben, Wie cool. Überraschungsgrüße werden hin und her geschickt und Sommerhausen ist einfach wieder mal gut.

von Gemünden zur Quelle der fränkischen Saale

Mein treues Radl und ich begeben sich auf eine Jubiläumstour.

20 000 gemeinsame Kilometer wollen gefeiert werden. Ich fahre noch immer mit der ersten Kette und der ersten Kassette. Es gab nur einen platten Reifen und einen defekten Akku im Display, sonst nix. Wir sind ein perfektes Team, mein Radl und ich.
Wo fährt man hin, wenn es gut werden soll? Nach Franken natürlich, meine Lieblingsgegend. Vielleicht habe ich dieses Wohlgefühl dort auch in den Genen. Ruhige Wege, kein Massentourismus, liebliche Landschaft, gutes Essen, noch besserer Wein, freundliche Menschen, mit denen ich aufgrund meiner fränkischen Sprachkompetenz immer in ihrer Landessprache kommunizieren kann. Einfach schön. Daher geht es jetzt auch endlich wieder auf Tour, zunächst an der fränkischen Saale entlang. Sie fließt bei Gemünden in den Main und schlängelt sich dann zwischen der bayrischen Rhön und den Hassbergen nach Nordosten.

Bereits kurz hinter Gemünden tauche ich ein in meinen Traum vom Fahrradfahren. Beste Wege, immer am Fluss entlang und all die wenigen Menschen, die mir begegnen, grüßen schon von Weitem.

Ich komme kaum vorwärts, weil ich immer wieder einfach ein bisschen genießen muss. Der erste größere Ort an der Strecke ist Hammelburg. Damit verbinde ich immer den Truppenübungsplatz „Lager Hammelburg“ und einen völlig unsympathischen Kollegen, der hier wohnte und der mir den Einstieg in mein Berufsleben mehr als ein Mal vermiest und mich tatsächlich zum Weinen gebracht hat. Frauenfeindlich und arrogant. Der ist längst tot „und das ist gut so“, denke ich völlig unbuddhistisch. Er war aber auch ein Ekelpaket. „Franz heißt die Kanaille“ war damals der running Gag und ich hab gelitten. Das ist schon 47 Jahre her und höre noch immer seine Stimme.
Jetzt wende ich mich aber schöneren Dingen zu.

Der kleine Park an der Stadtmauer und dem Mönchstum laden zum Verweilen ein.

Das Kellereischloss Hammelburg, auch Rotes Schloss genannt, wurde 1726–1731 auf den Grundmauern eines großen Kellereigebäudes als Sommerresidenz gebaut. Es liegt wunderschön, direkt an der Saale.

Kaum hat man Hammelburg verlassen, trifft man unübersehbar auf eine Anhäufung von Parabolantennen. Es sind insgesamt 50 Stück, 2 davon mit einem Durchmesser von 32 Metern.

Die Schwurbler glauben, dass hier mit Außerirdischen kommuniziert wird oder dass geheime militärische Missionen stattfinden. In Wirklichkeit handelt es sich um die Erdfunkstelle Fuchsstadt. Sie dient als Bodenstation für die Kommunikation mit Nachrichtensatelliten und ermöglicht unter anderem satellitengestützte Telefongespräche, Internet-Verbindungen in Flugzeugen und Schiffen und Fernsehsendungen. Eigentlich sind sie also dafür da, dass die Schwurbler auch auf der AIDA daddeln können.

Reichlich mondän geht es in Bad Kissingen zu, das zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Die Stadt wurde seit dem 18. Jahrhundert in Konkurrenz zu Karlsbad und Baden-Baden zum Weltbad ausgebaut. Es besitzt den ältesten Kurgarten (1738) und das größte Ensemble historischer Kurbauten Europas. Zudem ist die Kurstadt ältester Gradierstandort Europas und das zweit meistbesuchte Heilbad Deutschlands, nach Bad Füssing. Obwohl ich Superlative liebe, ist das hier nicht meine Welt. Überall gibt es volle Cafes und es lauert künstliche Unterhaltung. Ist ja auch logisch, sind halt viele kranke Menschen hier in den altehrwürdigen Privatkliniken.

Ich schlendere ein wenig durch den wirklich schönen Rosengarten.

Nach einem nicht wirklich leckeren Eis verlasse ich die Stadt wieder.
Unterwegs kommt man immer wieder an alten Mühlen vorbei.

Eigentlich wollte ich mich hier dopen. An der Originalentnahmestelle des Prinz Luitpoldsprudels kann man nämlich das Heilwasser trinken und das ist unter anderem gut bei Erschöpfung. Leider ist die Anlage geschlossen.

So muss ich eben ohne den eisenhaltigen Natrium-Calcium-Chlorid-Hydrogencarbonat-Sulfat-Säuerling weiterradeln. Schade.

Nach anstrengenden 95 km lande ich schließlich in Bad Neustadt und dort in einem richtig tollen fränkischen Biergarten bei bestem Saalewein und fränkischen Spezialitäten.

Der eigentliche Jubiläumstag ist hier in Bad Neustadt, mein Radl zeigt genau 20000 km. Da ich mir heute beim Radeln Zeit lassen will, soll es früh losgehen. Der Tag fängt aber schon toll an mit einem Plausch mit der Hotelbesitzerin, der sich zu einem langen, sehr intensiven Gespräch entwickelt. Wir sind uns einig, dass wir beide gerne bei ausreichend Aperol Spritz mal eine ganz Nacht durchquatschen würden. Leider wartet auf sie ein Bus mit 50 Gästen und so schwinge ich mit wieder auf mein Radl. Und tatsächlich kommt jetzt anscheinend der gemütliche Teil der Tour.

Ich teile mir den Weg mit Marienpilgern und es geht immer an der Saale entlang.

Dann werde ich schon wieder ganz massiv gebremst.

Mein ganz persönliches Glück. Es kommt noch der sehr nette Nachbar der Besitzerin der Schmusebacke dazu und es startet schon wieder ein netter Plausch. Die Miezi ist sooo lieb und wir können gar nicht genug voneinander bekommen. Sie darf mit meiner Brille spielen und ich erzähle ihr von diesem ganz besonderen Tag,

Auch wenn es schwer fällt, ich muss weiter.

Das nächste Ziel ist Bad Königshofen. Als ich dort auf den Marktplatz rolle, feststelle, dass es eigentlich hier nichts Besonders gibt und mich unentschlossen umblicke, gibt es doch etwas Besonderes. Ein Adonis mit einem richtig, richtig tollen Rennrad kommt auf mich zu und spricht mich mit feinstem schweizerischem Dialekt an: „Dort drüben hat es richtig leckeren Kaffee und säähr gutes Eis und es hat auch einen guten Fahrradparkplaz. Der ist jetzt frei“. Heute ist echt mein Tag. Adonis hatte Recht.

Wenn es mit dem gesunden Wasser in Bad Kissingen schon nicht geklappt hat, so soll es wenigstens gute Luft sein und ich entere den Gradierpavillon in Bad Königshofen.

Auf feinsten Wegen nähere ich mich nun der Saalequelle und man hat immer wieder tolle Ausblicke über den Grabfeldgau.

Mit der Saalequelle ist es wie mit fast allen Quellen. Sie ist ein Loch, aus dem Wasser kommt, in dem Fall das Salzloch.

Damit ist die Fränkische Saale-Tour eigentlich zu Ende.
Für mich geht es aber noch weiter nach Ebern. Immer gen Süden und irgendwie sieht alles gleich aus.
Ich halte unterwegs an, um mich zu vergewissern, dass ich richtig bin. Plötzlich höre ich eine Stimme aus dem Off. „Wo fährstn du hieee?“ Ich drehe mich um und blicke in ein hochrotes etwa 8-jähriges Gesicht mit der Form eines lachenden Mondes. Ich krame mein bestes Fränkisch heraus „Ich will auf Ebern, wast du wu des hie geht?“
Der Mond antwortet hochkompetent:“ „Auf Ebern, des is fei weit. Do fährst do unten rechts und dann immer grodaus. A weng lenken musst scho, aber des is normal. Und hinterm Getränkemarkt links und dann bist in Ebern“.
Ich bedanke mit mit einer Gegenfrage „Und wo fährst du a weng hie?“
„Des was ich no net, aber auf Ebern net, des is mir zu weit“ und weg ist er. Wie schön, wenn einen Kinder noch motivieren können.

Und er hatte Recht…immer gerade aus….

Ein kurzer Abstecher führt mich noch zum Schloss Eyrichshof.

Nachdem ich in Restaurants und Biergärten als Einzelreisende schon so oft abgewiesen worden bin, damit ich keinen Tisch für 4 Personen blockiere, mache ich hier ganz andere Erfahrungen. In einem ausgebuchten Biergarten findet man noch ein Plätzchen für mich und es gesellt sich eine weitere Alleinradlerin dazu. So endet der Tag, wie er begonnen hat, mit einer sehr angenehmen Gesellschaft.
Während ich das schreibe, brennt jemand genau vor dem Hotel ein Feuerwerk ab. Das wäre aber doch wirklich nicht nötig gewesen wegen 20 000 Radlkilometern.

Auf der Bergstraße von Darmstadt nach Schwetzingen

Was soll man in unsicheren Zeiten tun, wenn eine Schreckensnachricht die andere jagt? Natürlich helfen, aber man soll sich auch selber schützen und sich Gutes tun, um nicht zum Spielball der Katastrophen-Überschriften zu werden. Wie könnte man das besser, als mit einer Fahrradtour bei feinstem Sonnenwetter in Dankbarkeit für Frieden und Freiheit?

So starten mein Radl und ich zur ersten Fernradeltour des Jahres 2022. Los geht`s in Darmstadt. Genauer gesagt starte ich in Darmstadt-Eberstadt, da ich die Stadt kenne und ich mir das Radeln im morgendlichen Stadtverkehr ersparen will. Alle, die noch nie in Darmstadt waren, sollten auf jeden Fall einen Besuch auf der Mathildenhöhe einplanen. Die Künstlerkolonie war im 19. Jahrhundert die Gartenanlage des großherzoglichen Hofes und wurde 1833 im Stil eines englischen Landschaftsparks umgestaltet. Das Ensemble ist seit Juli 2021 Weltkulturerbe der UNESCO.

Weiterlesen „Auf der Bergstraße von Darmstadt nach Schwetzingen“

Der Ennsradweg von Admont nach Altenmarkt bei St. Gallen

….oder der Tag des Wassers. Es fängt schon 300 Meter nach dem Start an. Ich tanke Granderwasser für unterwegs. Mag man die Theorie des Herrn Grander glauben oder nicht, wonach man Wasser mit bestimmten Methoden lebendig machen kann. Es schmeckt erfrischend und ist kühl.

Los geht`s. Denen, die mich kennen, ist auch meine Ungeduld bekannt, und die hat wieder voll zugeschlagen. Der Eingang zum Nationalpark Gesäuse soll ziemlich spektakulär sein und so habe ich gestern Abend einen Ausflug dorthin unternommen, weil ich es mal wieder nicht abwarten konnte. Offizielles Argument: ich wollte sehen, wann das Licht besser ist. Und das war eine ziemlich gute Idee. So radle ich jetzt auf bekannten Wegen.

Ich liebe die Berge in der frühen Morgensonne, wenn sich die Silhouetten abzeichnen und wenn Seen und Teiche noch ganz still sind.

Die gleiche Landschaft wirkt morgens und abends völlig unterschiedlich.

Der Katarakt der Enns am Eingang des Nationalparks Gesäuse ist abends eindeutig schöner. Man muss von der Straße aus ein bisschen hinabsteigen und ist dann ganz nah dran. Das wird später nicht mehr so möglich sein.

Durch das Gesäuse muss man als Radler auf der Autostraße fahren, was mir einigen Respekt einflößt. An einem Donnerstagmorgen im Juni ist der Verkehr aber erträglich. Zum Glück sind erst wenig Motorradfahrer unterwegs. Die glauben nämlich, dass ein Motorrad und ein Fahrrad locker auf eine Fahrspur nebeneinander passen und dass sie deshalb nicht ausweichen müssen. Sie passen auch, nur ist es leider für einen von beiden nicht wirklich schön. Die Motorraddichte ist nachmittags aber deutlich höher.

Man fährt immer oberhalb des Flusses und es gibt wenig Möglichkeiten zum Schauen. Lediglich die Tunnelumfahrungen für Radfahrer bieten ein bisschen Ruhe und Ausblick.

Ich radle an dem Erlebnispark Weidendom vorbei. Ein wirklich interessanter Abschnitt, in erster Linie für Kinder.

Immer wieder sieht man die Folgen von Unwettern in dem sehr steilen Gelände, die man nicht miterleben will.

An dem Stausee der Enns kommt man zwar vorbei, aber wegen der Bahnlinie nicht dran. Es gibt allerdings eine Mountainbike-Strecke, die dort vorbei führt, und ich gönne mir den kurzen Abstecher.

Man hört die Enns immer irgendwo rauschen und säuseln, kann aber nur ab und zu einen Blick erhaschen.

Hinter Hieflau ist die Engstelle der Berge zu Ende, aber es gibt weiterhin keinen Radweg. Wie auf einer Achterbahn geht es kurvenreich steil rauf und steil wieder runter. Motorräder fliegen einem entgegen. Und es ist heiß. Ich verschaffe meinen gestressten Bremsscheiben eine kurze Abkühlung in dem spärlich vorhandenen Schatten und trinke den Rest der ca. 50 Grad warmen Cola von meinem Gepäckträger.
Da entdecke ich rechts eine Burg und an der Straße ein Schild „Burg Gallenstein mit Burgterrasse“. Wie von Geisterhand gesteuert biege ich ab und radle hinauf. Vor meinem geistigen Auge sehe ich eine Tasse Kaffee mit Sahnehäubchen, sprudelndes, eiskaltes Mineralwasser, Apfelstrudel mit Vanilleeis. Auf einer schattigen, luftigen Terrasse serviert von einem Adonis-gleichen, freundlichen Burgherren. Endlich bin ich oben.
Da!!!
Ein Schild: “Wegen Renovierung geschlossen“.
Wer macht so etwas???
Warum denken die nicht nach und stellen ihr dämliches Schild unten hin???
Davon bekommt man ja Gallensteine!!!

Ein bisschen sauer erreiche ich schließlich mein Hotel, wo man mich freundlichst empfängt und mir bereitwillig einen Einheimischen-Wasser-Geheimtipp verrät.

So gehe ich in der Enns baden und mein Wassertag ist gerettet. Es ist ein Traum. Ich habe den (Sand)-Strand für mich allein, das Wasser der Enns ist am Rand klar und leuchtet in der Mitte hellgrün. Und es ist kaaaaalt. Durchgekühlt schaue ich den Wolken nach . Der Tag des Wassers klingt mit einem hervorragenden Muscateller-Wein aus der Südsteiermark aus. Die nette Dame im Hotel erklärt mir, dass der Mitzi heißt. Wie für mich gemacht. 🙂

Der Ennsradweg von Radstadt nach Liezen

Von Radstadt aus radelt man wieder hinunter ins Tal der Enns und auf einem komfortablen Weg geht es leicht dahin. Auf der linken Seite hat man immer den Dachstein im Blick, rechts die Enns.

Angenehm frisch und kühl ist die Fahrt durch den morgendlichen Wald. Der Dachstein blitz zwischen den Bäumen.
Ständig überquert man die Enns. Ein Mal auf einer mächtig schaukelnden Hängebrücke. Ich fühle mich wie auf der Hillary-Bridge in Nepal. Nur die Yaks fehlen.
Es kommen nun auch die Hohen Tauern auf der rechten Seite in Sicht.
Und ich lande im Rad-Dorado

Da bin ich ja mal gespannt. Es ist heiß, der Wind weht kräftig (natürlich) von vorne und meine Motivation ist, sagen wir mal vorsichtig „eingeschränkt“. Ich erklimme Schloss Thannegg und siehe da: Das Rad-Dorado

Ein hübsches Schloss, aber ein noch viel hübscherer Gastgarten mit Radler-Doping und netten Radler-Wo-kommste-her-wo-willste-hin-Bekanntschaften.
Meine Motivation ist zurück und es geht wirklich toll weiter.
Die Enns „sammelt“ fleißig Nebenflüsse und hat jetzt schon eine beachtliche Breite und eine hohe Fließgeschwindigkeit. Obwohl es keine Wehre gibt, sieht man keine Paddler.
Anscheinend sind Motivationstiefs hier verbreitet und jemand will helfen.
Dann kommt der Grimming in Sicht. Zuerst aus der Perspektive des gegenüber liegenden Hangs, dann radelt man genau darauf zu. Ich kann meine Augen gar nicht abwenden, was zu sehr unschönen Rumpeleien durch Schlaglöcher und Schlittereien auf Kuhfladen führt.
Trotz der Hitze und der Länge der Strecke entscheide ich mich für einen Abstecher zu Schloss Trautenfels.
Die letzen Kilometer nach Liezen sind unspektakulär und ich komme müde und zufrieden an.

Nach fast 90 Radlkilometer ist Essen in dieser Größenordnung durchaus angemessen 🙂